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Veröffentlicht am 08.03.2018

Herausforderungen anpacken: von der Glasfaserleitung zum Flug-Taxi

Die neue Regierung hat mit Dorothee Bär erstmals eine Staatsministerin für Digitalisierung ernannt. Auf sie warten dringende Herausforderungen, die es anzupacken gilt, wenn sie in naher Zukunft mit dem Flug-Taxi reisen will.

Von Dr. Karsten Willrodt

Dorothee Bär soll alle relevanten Themen federführend übernehmen, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht vollends abgehängt wird. Ähnliches haben Unternehmen bereits in den letzten Jahren mit der Einführung eines Chief Digital Officers (CDO) in Angriff genommen, der die Herausforderungen der Digitalisierung auf Management-Ebene angeht. Mit der Einführung eines neuen Ministerpostens für Digitalisierung gehen daher große Erwartungen an die neue Regierung einher. Denn die Digitalisierung hat tiefgreifende Auswirkungen auf nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Dabei ist es zwar gut, wenn die Digitalministerin bereits visionär an den Einsatz von Flug-Taxis denkt. Allerdings gilt es zunächst, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und die reale Ausgangslage zu betrachten. Denn bevor die Digitalisierung fliegen kann, muss sie erst einmal laufen lernen. Dafür müssen einige Rückstände aufgeholt werden. Dies sind die dringendsten vier Handlungsfelder, die Ministerin Bär im Blick behalten sollte:

1. Breitbandausbau
Es kann nicht oft genug wiederholt werden: der flächendeckende Breitbandausbau muss deutlich größere Schritte machen als in den letzten Jahren. Die Erfahrung der letzten Jahre hat vor allem gezeigt: Ein Investitions- und Bürokratieabbau ist zwingend erforderlich, um hier Fortschritte zu erzielen. Die verfügbare Bandbreite ist der Flaschenhals für alle digitalen Technologien und ihre Verfügbarkeit damit die Ausgangsbasis für alle anderen Schritte.

2. Standort stärken: von GAFA nicht abhängen lassen
Die US-Technologieriesen Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) treiben weltweit Branchen und Wirtschaftssegmente vor sich her. So hat Amazon beispielsweise jüngst angekündigt, in die durch Digitalwährungen und Fintechs sowieso schon aufgeschreckte Finanz-Branche einsteigen zu wollen. Insgesamt verfügen GAFA schätzungsweise über einen Marktwert von zwei Billionen Euro – doppelt so viel wie die 30 DAX-Unternehmen zusammen. Ein Grund für den Erfolg mag unter anderem in den vergleichsweisen niedrigen gesetzlichen Hürden etwa zu Investitionen oder Datenschutz liegen. Deutschland muss seine Attraktivität als Standort und seine Vorteile für digitalisierte Unternehmen und Startups stärker hervorheben.

3. Innovationen fördern
Zur Wettbewerbsfähigkeit gehören Weiterentwicklungen und Innovationen. Deshalb sollte die neue Ministerin Bär ideale Rahmenbedingungen für digitale Forschung und Entwicklung schaffen. Dazu gehört auch, Vorbehalte und Ängste seitens der Bevölkerung abzubauen und eine digitale Innovationsbegeisterung in allen Altersgruppen zu etablieren. Dies gelingt beispielsweise durch die Förderung von gesellschaftlich nützlichen Digitallösungen und dem Aufzeigen ihrer Vorteile. Vorbild können hier Entwicklungen in der Gesundheits- oder Altershilfe sein.

4. Datenschutz schützen
Auch wenn die neue Digitalministerin die deutschen Datenschutzgesetze für antiquiert hält, sollte sie diese nicht durch blinden Aktionismus verwässern. Da immer mehr kritische Systeme und Infrastrukturen digitalisiert sind, brauchen sie einen entsprechend hohen Schutz – das gilt auch für Persönlichkeitsrechte. Zudem ist „Datenschutz made in Germany“ ein wichtiges Qualitätssiegel. Es spricht Bände, wenn selbst US-amerikanische Unternehmen ihre Daten bevorzugt hierzulande speichern, als bei Anbietern in ihrem Heimatland.

Dr. Karsten Willrodt ist Chief Marketing Officer bei Nexinto.